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Motten und Marotten

01/10/2009 · Kommentar schreiben

Ich komme aus dem Schwabenland. Wir sind ordentlich, pünktlich, sparsam und sauber. Sagt man. Kann sich jemand vorstellen, was für eine Überwindung es für mich ist bei den ungewaschenen Punkern in Friedrichshain zu wohnen.  In der Samariter Strasse mit Prada Schuhen über ein Meer von Hundekacke zu hüpfen.

Trotzdem. Unerklärlich, aber Samstags werde ich selber zu einer Punkerin und wasche mich nicht. Punktag. Zumindest mein Punkvormittag. Samstags wasche ich mich erst gegen Nachmittag. Aber darum geht es hier  nicht. Es geht um sparsame Schwaben, Brötchen kaufen gehen und mit Büchern zurückkommen. Eigentlich wollte ich ja nur Tulpen kaufen. Weil meine alten schon so morbid, depressiv und sehr traurig aussahen. Langsam überträgt es sich schon auf meine Stimmung. Im grunde drücke ich mich vor dem English lernen. Montag Business Englisch Klasur. Ich, seit jahren ein Englisch versager. Fragte meinen Dozenten,  wenn er nicht schwul ist, ob dann mein männermordendes Kleid mir helfen würde. Er lachte und sagte, ich soll jede Chance nützen. Wir haben auch Italienisch Klasur. Warum habe ich dovor keine Angst. Hmmm…

Gut…Ich gehe ungeduscht los und kaufe Brötchen und Coffee to go und frühstücke Richtung Tulpenladen. Gehe vorher zum Schlecker (Schlecker ist der Lieblingsladen von Schwäbischen Mädchen, da gibt es Putzmittel) und kaufe…???…na…??? Putzmittel…Halte ein Schwätzchen (Bedeutet auf Schwäbisch: Gepflegte Unterhaltung. ) mit der Kassiererin, über Putzmittel.

Auf dem Rückweg komme ich an einer Buchhandlung vorbei. Da werde ich immer schwach. Bin absolut immun gegen Süchte. Aber Bücher…Ich kann nicht vorbei…Ich sehe draussen ein Buch von Marion Gräfin Dönhoff (Die frühere „Die Zeit“ Herausgeberin). Bücher über Wirtschaft und Demokratie, Menschen und Bürgersinn für 1.€ . Gutes Angebot.  Nicht zu glauben. Ich schwöre mir, nur die zu kaufen und gehe rein zum bezahlen. Ich denke, wenn ich schon da bin, kann ich ja eine Runde drehen. Ich schwöre wieder und verspreche mir, nur zu schauen und nicht zu kaufen und drehe meine Runde. Sehe ein Buch „Endlich stressfrei. Powerübungen für starke Nerven mit Sport und Tanz zu bessere Belastbarkeit mit bewusster Entspannung neue Kräfte tanken“. Ich fühle mich selten gestresst, naja Tanzen beschränkt sich auf paarmal zum Ballett anmelden und nicht hingehen, Tanzstunde mit pickeligen, sabbernden Jungs kam nicht in Frage und starke Nerven habe ich mit der Muttermilch bekommen. Warum zum Luzifer kaufe ich dieses Buch trotzdem? Ein Zeichen von Sucht? Dann sehe ich „innovation, from experimentation to realisation“.  Tut mir leid, das muss ich haben. Ich schwöre erneut, dass ich mein Schwur nicht mehr breche. Gehe weiter, nur um zur Kasse zu kommen. „Night Visions, the secret designs of moths“…..Ich kann an nichts vorbei, dass sich Vision nennt. Ich hatte meine frühere Firma unbekannte vision genannt. Zweitens steht da auch Design drauf. Die Begriffe Vision und Design auf einem Cover, das muss ich wissen. Bin mir aber ziemlich sicher, dass ich kein Buch über Motten kaufen werde. Ich schwöre und verspreche mir das sicherheitshalber. Ich schlage das Buch auf, o Gott…mein Herz schlägt höher. Was für unglaublich schöne Farben. Was für unglaublich schöne Farbkombinationen. Jetzt verstehe ich warum die Motten mehrmals jährlich versuchen, sich auf meine Kla-motten zu stürzen. Die haben keinen Hunger, die inspirieren sich. Ich vergebe ihnen hiermit. Ich vergebe ihnen und fühle mich dabei gut. Denn nur Götter und Könige dürfen vergeben. Ich fühle mich wie eine Königin. Must have…..das Buch.

So…das ist jetzt aber wirklich das letzte Buch das ich mitnehme. Geschworen und versprochen.

Ausserdem denke ich darüber nach, mal eine Kollektion mit nur Mottenfarben zu machen. Ich laufe richtung Kasse, habe es fast erreicht…oh neee…schon wieder ein Buch auf dem „Das Neue, Wie kommt das Neue auf die Welt? “ steht. Neu ist auch so ein Zauberwort. Ich bin Wassermann. Ich liebe das Wort „Neu“…Ich wollte als Kind schon von Ausserirdischen entführt werden, damit ich als erstes Kind den All sehe. Für ein neues Erlebnis wollte ich als Kind schon Eltern und Land verraten. Meine einzige Angst war, dass die Ausserirdischen, vorher meine Mutter fragen würden, ob sie mich mitnehmen dürfen. Ich hatte schon den Plan, den Ausserirdischen zu erzählen, ich hätte keine Eltern. Tagelang wartete ich auf der Treppe, oder im Garten unter der Trauerweide auf sie. Ja warten..In meinem Leben habe ich viel gewartet. Darin war ich geübt. Na gut…

Ich drehe das Buch mit dem Titel neu blabla um und lese was hinten auf dem Cover steht. Vielleicht finde ich ja einen Satz, der mich davon abhält es zu kaufen. Erster Satz: :“Wie können Organisationen ihre Querdenker ermutigen, Visionen in die Wirklichkeit umzusetzen?“ Verdammt nochmal, da ist wieder das Magnetwort. „Visionen“. Verdammt nochmal, meine Schwäbischen Spargene versagen. Guuuut, nur noch das und kein weiteres Buch mehr. Ich schwöre und verspreche nicht mehr, denn es hat keinen Sinn.

Ich bezahle. Hallelujah. Ich habe bezahlt. Stecke den Kassenzettel ein und meine Blicke schweifen am Tresen auf ein Buch in Gelb. Gelb, die Farbe der Aussenseiter und Huren. Hatten wir das nicht  in Kunst und Kostümgeschichte gelernt. Dieser Gedanke war ein Ablenkungsmanöver, damit ich nicht auf den Titel schaue. Es funktionieeeerte aber niiiiiiiiicht. Ich lese den Titel. „Sprache als Ausdruck des Geistes“…aber das interessiert mich jetzt wirklich…Ich nehme es mit…

Ach soooo… Tulpen: Die hole ich auch noch. Jetz bin ich aber wirklich depressiv und wütend auf mich. Sollte ich als Frau nicht Schuhe und Co. nach hause schleppen.

Ich schwöre, dass ich nie mehr schwören werde. Wer weiss, dass mit der Hölle und dem Himmel ist ja auch nicht so richtig geklärt.

estelle-sina 2007

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04/06/2009 · Kommentar schreiben

Snowgirl-berlin

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Yohji Yamamoto

27/03/2009 · Kommentar schreiben

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Comme des Garcons

27/03/2009 · Kommentar schreiben

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Filmpremiere: Lagerfeld Confidential

23/02/2007 · Kommentar schreiben

Ganz im Vertrauen,  alles ein Missverständnis.

Karl Lagerfeld und Rudolpho Marconi

Karl Lagerfeld und Rudolpho Marconi

Ich bin immer noch ungeduscht, in alten Sachen und bin beim abtragen des Berges, auch Job genannt. Mein Handy klingelt und ich will eigentlich nicht mal ran. Ich gehe ziemlich selten ans Telefon, gehe immer davon aus, dass ich schon nichts verpassen werde. Werfe doch einen Blick darauf. Es ist ein Freund aus Stuttgart. Er ist Filmverleiher für Kinos. Ich gehe schnell dran, denn ich mag ihn sehr. Er hat immer Hunger, kann exzellent kochen und er erzählt mir immer von neuen Rezepten. Ausserdem liebe ich seinen Humor und seine Art wie er sich über manche Dinge kaputtlachen kann. Und ich bin mit seinem neun Monate altem Sohn Kaspar, verlobt. Wir haben ausgemacht, ich lasse mich einfrieren und warte bis er gross ist. Ich darf sogar über seine Erziehung mitbestimmen. Also sein Anruf, eine willkommene Abwechslung. Ich gehe ran und er erzählt mir, dass er für mich eine Premierenkarte für Karl Lagerfelds Film  „Lagerfeld Confidentiel“ besorgt hat und glaubt, dass ich mir das, als  Designerin, bestimmt nicht entgehen lassen möchte. Ich soll um punkt 15.00 Uhr in der Lobby des Grand Hyat am Marlene Dietrich Platz sein. Hilfe. Ich brauche mindestens eine halbe Stunde bis zum Potsdamer Platz und muss noch duschen und mich Lagerfeld/ Chanel mäßig verhübschen. Keine Zeit um darüber nachzudenken, ob es klappen könnte. Ich werde es versuchen.

Alle Haare waschen, dafür reicht die Zeit nicht. So gehen, unmöglich. Ich entscheide mich für den Notfallplan und wasche nur den Pony und mache mir Zöpfe. Da ich von Karl Lagerfeld nichts besitze und meine Chanel Turnschuhe, ziemlich abgefetzt sind, entscheide ich mich für meinen rückenfreien Alexander Mc Queen Anzug, der so sexy ist, dass er in der Lage wäre, Regierungen zu stürzen . Alexander Mc Queen finde ich sowieso viel besser. Damit muss Karl leben.

Komme mit leichter Verspätung (ein Wunder wie ich das geschafft habe) in die Empfangshalle des Grand Hyat. Meine Güte, überall Journalisten mit ihren Mac´s und am Photoshop, Photos von Robert de Niro und Matt Damon in Bearbeitung. Mein Freund Kamran, kommt mit einem Champagnerglas in der Hand auf mich zu und gibt mir einen Hollywood Kuss. Küsschen rechts, Küsschen links. Wir tauschen ein paar nichtige Worte und die Premierenkarte wechselt den Besitzer. Ist jetzt meins. Ja. Er muss wieder zu seiner Tagung, oder was auch immer. Ich bleibe noch ein bischen in der Empfangshalle, atme ein bischen Hollywood und trinke ein Glas Latte Macchiato für 7,50 Euro.  Diese Schlitzohre  nützen doch die Gunst der Stunde aus.

Zurück mit der U Bahn, in das Kino International in der Karl-Marx-Allee. Vorbei an Angelica Blechschmidt, der ehemaligen Deutschland-Chefin von „Vogue“ und vielen liebenswerten, süßen Schwulen, setze ich mich in die erste Reihe. Ich sitze im Kino immer, immer, immer in der ersten Reihe. Im Theater sowieso. Ich hasse es, vor mir Köpfe zu sehen. Ich bin doch nicht hier um Köpfe zu sehen. Ich will den Film sehen. Ich bin schon aus der Premiere von „Die Kameliendame“ in der Oper in Stuttgart raus. Ich hasse Köpfe vor mir……

Also ich sitze in der ersten Reihe und genau das führt zu dem freudigen Missverständnis. Nach dem sehr lustigen Dokumentarfilm, „Lagerfeld Confidentiel“, kommt „Karl der Grosse“ auf die Bühne. In Begleitung von dem Filmemacher und Paar andere Wichtigkeiten. Ich stehe mit den Journalisten auf und mache mit meinem Handy und meiner mini Exilim, das nicht wirklich was taugt, Photos. Da ich vor dem Film ein paar Notizen in mein Notizbuch gemacht hatte, halte ich dieses noch in der Hand. Ich warte ungeduldig darauf, dass die Journalisten mit ihren Fragen durch sind und möchte kurz bevor Lagerfeld geht, zu ihm gehen und um Autogramm bitten.  Übrigens den ersten in meinem Leben.  Ich finde ihn einfach cool. Ein Bodygard nähert sich mir von hinten, tippt mich an. Oh Schreck, er will mir das untersagen. Ich drehe mich zu ihm und er sagt sehr freundlich: „Sie werden hier keine Chance haben, mit ihm zu reden. Wir werden ihn gleich in den Presseraum begleiten. Wenn sie jetzt schon hochgehen, haben sie eine Chance mit ihm zu reden, wenn wir ihn in den Presseraum bringen“. Wow. Was für eine Überraschung, oder ein Missverständnis. Er denkt wohl ich bin eine Journalistin. Ich kläre das Missverständnis nicht auf. Er sagt, ich soll dem Türsteher sagen, dass er es mir erlaubt hätte, in den Presseraum zu gehen. Ich hüpfe die Treppen hoch und nachdem ich mit drei Türstehern verhandelt habe, lässt mich der Obertürsteher, nachdem er mich darum bittet, ihm den Bodygard zu zeigen (ich kann ihm ja viel erzählen) endlich in den Presseraum. Der Presseraum ist fast leer, die Journalisten noch unten im Kino. Nach etwa 10 Minuten kommt Karl Lagerfeld in Begleitung von Fernseh- und Zeitungsreportern, Interview gebend, rein. Ich laufe auf ihn zu und halte ihm mein Notizbuch mit einigen Zeichnungen von mir unter die Nase und bitte ihn um ein Autogramm. Nix Journalistin, Groupie. Er unterschreibt sehr schwungvoll und sagt „Was haben sie da schönes? Nicht so lange warten loslegen“.

Karl Lagerfeld mit Filmteam.

Karl Lagerfeld mit Filmteam.

Karl Lagerfed im Interview.

Karl Lagerfed im Interview.

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